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Technische Leitfäden2026-01-088 Min. Lesezeit

Pyrolyse-Technologie erklärt: Was es ist, was es produziert und wann es wirtschaftlich sinnvoll ist

Pyrolyse erlebt gerade einen Aufschwung — angetrieben durch PPWR-Verordnungen, Reifen-EPR-Systeme und den entstehenden Biokohle-Kohlenstoffmarkt. Aber es ist auch eine der am meisten missverstandenen Technologien im Abfallbehandlungssektor. Dieser Leitfaden gibt Ihnen die technische Realität: was der Prozess tatsächlich liefert, welche Ausgangsstoffe funktionieren und wie man über die Wirtschaftlichkeit nachdenkt.

Lozzar Process Engineering

Pyrolyse-Technologie erklärt: Was es ist, was es produziert und wann es wirtschaftlich sinnvoll ist

Was Pyrolyse wirklich tut (und nicht tut)

Pyrolyse ist thermische Zersetzung in Abwesenheit von Sauerstoff — das Material wird auf 300–900°C erhitzt, ohne zu verbrennen. Das Ergebnis sind drei gleichzeitige Produktströme: ein fester Rückstand (Holzkohle oder Biokohle), eine kondensierbare Flüssigkeit (Pyrolyseöl) und ein nicht kondensierbares Gas (Synthesegas). Was Pyrolyse NICHT ist: Es ist keine Verbrennung, keine Vergasung und keine universelle Abfallvernichtungsmaschine. Sie funktioniert gut mit trockenen, organischen Einsatzstoffen. Sie funktioniert schlecht mit nassen, heterogenen oder chlorreichen Eingaben.

Langsam vs. schnell vs. Flash: Welcher Modus für welches Ziel?

Die Produktaufteilung aus der Pyrolyse ist nicht festgelegt — Sie steuern sie durch Anpassung von Temperatur und Heizrate:
ParameterLangsame Pyrolyse (Karbonisierung)Schnelle PyrolyseFlash-Pyrolyse / Vergasung
Temperatur300–500°C450–600°C700–900°C
Heizrate1–10°C/min>100°C/s>1.000°C/s
VerweilzeitStunden0,5–2 Sekunden<0,5 Sekunden
Biokohleausbeute (% Trockeneingang)25–35 %10–25 %<10 %
Bio-Öl-Ausbeute (% Trockeneingang)25–40 %60–75 %5–15 %
Synthesegasausbeute (% Trockeneingang)25–35 %15–25 %75–90 %
Kommerzieller FokusBiokohle (Bodenverbesserung, CO₂-Zertifikate, Metallurgie)Bio-Öl (Brennstoffersatz, chemischer Rohstoff)Synthesegas zur Stromerzeugung oder H₂-Produktion

Ausgangsstoff: Die entscheidende Variable

Jedes Pyrolyseprojekt, das im letzten Jahrzehnt gescheitert ist, hatte eines gemeinsam: Der Ausgangsstoff war vor der Anlagenauslegung schlecht charakterisiert. Drei Regeln gelten für alle industriellen Pyrolyse-Ausgangsstoffe: Regel 1: Er muss trocken sein. Die meisten Reaktoren erfordern Eingangsfeuchte unter 15–20%. Nasse Biomasse, nasser Schlamm und nasse Agrarrückstände müssen vorgetrocknet werden. Regel 2: Er muss konsistent sein. Variabilität der Ausgangsstoffzusammensetzung führt zur Produktvariabilität. Regel 3: Der Halogengehalt muss kontrolliert werden. PVC und chlorierte Verbindungen erzeugen HCl im Synthesegas, was aufwändige Gasreinigungssysteme erfordert.